Emischer Ansatz Beispiel Essay

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiographie Pierre Bourdieus

3. Die kabylische Gesellschaft

4. Der Habitus

5. Symbolisches Kapital

6. Zusammenhang von symbolischem Kapital zur kabylischen Gesellschaft

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Pierre Bourdieu hat seine Habitus-Theorie anhand der kabylischen Gesellschaft entwickelt. Da diese sehr komplex ist, musste ich mich auf ein Teilgebiet, in diesem Fall das symbolische Kapital beschränken und habe ebenfalls am Beispiel der kabylischen Gesellschaft, darzustellen, was dieses überhaupt ist. Hierbei ist natürlich wichtig zu erläutern, was Pierre Bourdieu und die kabylische Gesellschaft miteinander zu tun haben, ebenso die Habitustheorie kurz anzureißen und dann einen Zusammenhang vom symbolischen Kapital zur kabylischen Gesellschaft darzustellen.

2. Kurzbiographie Pierre Bourdieus

Pierre Bourdieu wurde am 1. August 1930 in der französischen Kleinstadt Denguin geboren und ist dort auch aufgewachsen. Von 1955 – 1958 leistete er seinen Militärdienst in Algerien ab, anschließend verbrachte er noch einmal zwei Jahre Forschungsprofessur dort. Während dieser Zeit erforschte er die kabylische Gesellschaft und die Sozialstruktur Algeriens, sowie das Spannungsverhältnis verschiedener ethnischer Gruppen dort (vgl. Bohn/Hahn, 1999, S. 252-253). Er leistete sowohl soziologische als auch ethnologische Forschungsarbeit zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges dort (vgl. Kneihs, 1998, S. 14). Pierre Bourdieu starb am 23. Januar 2002 in Paris an Krebs.

3. Die kabylische Gesellschaft

Die kabylische Gesellschaft lebt in Algerien, aufgeteilt in mehrere kleine Dörfer, in der Großen Kabylei, einem komplex gebauten Gebirgsmassiv, welches sehr ressourcenarm ist (vgl. Arnold, 1995, S. 187). Zu der Zeit, da Pierre Bourdieu sie erforschte, fand gerade eine „Entwurzelung aus der traditionalen Gesellschaft“ (Bohn/Hahn, 1999, S. 253) statt, er fühlte sich als wäre er „im 16. Jahrhundert gelandet“ (Kneihs, 1998, S. 16). Die Leute dort hatten keine Ahnung, davon, wie man mit Geld umzugehen hatte, da sie bis zu diesem Zeitpunkt nie welches besessen hatten. Bourdieus Forschungen legen also eine postmoderne Gesellschaft zugrunde, die zu diesem Zeitpunkt noch in Algerien existierte (vgl. Kneihs, 1998, S. 16).

4. Der Habitus

Der Begriff des Habitus wurde von Pierre Bourdieu während seiner Forschungstätigkeit in Algerien entwickelt und bezeichnet die Bedeutung von „Fähigkeiten, Gewohnheiten, Haltung, Erscheinungsbild und Stil“ (Bohn/Hahn, 1999, S. 258), er ist die „stets gleiche Handschrift“ (Wittpoth, 1994, S. 93) eines Akteurs. Alles, was man sich im Leben aneignet, wird in diesem Habitus gespeichert und jede Handlung ist eine Folge des in einem verankerten Habitus. (vgl. Kumoll, 2005, S. 53).

Es gibt sowohl den Primärhabitus, der bei der primären Sozialisation erworben wird, als auch den sekundären Habitus, der in späteren, sozialen Feldern, erworben wird (Bohn/Hahn, 1999, S. 261). Desweiteren gibt es den sogenannten „Klassenhabitus“. Dieser bezeichnet die Praktiken, die man in seinem begrenzten Milieu vorfindet und dort erlernt (vgl. Wittpoth, 1994, S.93). Beispielsweise werden Kinder aus dem Mittelstand von ihren Eltern, bzw. von ihrem Vater wahrscheinlich eher zum Fußball oder Basketball mitgenommen, sie erlernen also diese Sportart und werden später auch in diesem Sport bleiben. Kinder eines angesehenen Arztes werden jedoch eher Tennis oder Golf spielen. Das Gleiche gildet natürlich ebenso für Verhaltensregeln und anderes, das je nach Milieu unterschiedlich erlernt wird.

Es gibt drei Arten, sich Handlungen oder Verhalten anzueignen. Die eine ist das Nachahmen von Handlungen. Kinder sehen beispielsweise etwas, das ein Erwachsener macht und versuchen dieses nachzuahmen, also das sogenannte „Imitationslernen“ (Steiner, 2001, S. 25). Neben diesem unbewussten Erwerb von Handlungsprinzipien, gibt es noch die sogenannten „strukturalen Übungen“ (Wittpoth, 1994, S. 99), also das Lernen durch Spiele oder Wettkämpfe sowie als dritte Form das ausdrückliche Übertragen von Handlungsprinzipien (vgl. Wittpoth, 1994, S.98).

Bourdieu unterteilt außerdem vier Arten von Kapital, in denen sich der Habitus entwickeln kann. Dies sind das ökonomische (Besitztümer), das kulturelle (Bücher, Kunstwerke, Bildung), das soziale (Ressourcen) und das symbolische Kapital. Je sozialem Feld verfügen die Akteure wiederum über spezifische Interessen, die dann allein für dieses bestimmte Feld oder Milieu typisch sind. (vgl. Kumoll, 2005, S. 55 - 57).

5. Symbolisches Kapital

Unter symbolischem Kapital versteht man unter anderem den Lebensstil, den sich ein Individuum aneignet. Dieser Lebensstil drückt sich dann in gewissen Symbolen aus. (vgl. Kumoll, 2005, S. 57). Die Symbole eines exklusiven Lebensstils wären beispielsweise ein Porsche oder eine riesige Kunstsammlung.

6. Zusammenhang von symbolischem Kapital zur kabylischen Gesellschaft

Auch in der kabylischen Gesellschaft Algeriens gibt es viele Symbole, die ein hohes symbolisches Kapital ausdrücken. Die wichtigste Gelegenheit „symbolisches Kapital zu mehren oder zu mindern“ (Steiner, 2001, S. 23), ist die Hochzeit. Denn in vielen Fällen dort heiraten Familienmitglieder unter sich, also man heiratet beispielsweise die Schwester des Bruders des Vaters (die Cousine) (vgl. Steiner, 2001, S. 22). Nur wer hohes ökonomisches Kapital vorweisen kann (beispielsweise Felder besitzt) kann sich die Heirat mit einem Fremden leisten, welche ein hohes Prestige schafft. Denn selbst bei offiziellen Anlässen wird von solchen Hochzeiten, die auch oft sehr glamourös ausfallen, gesprochen, die Verheirateten bleiben also immer im Gespräch (vgl. Steiner, 2001, S.23).

Das größte symbolische Interesse ist für die Kabylen die „Aufrechterhaltung und Vergrößerung der familiären Ehre“ (Steiner, 2001, S. 34). Dieses symbolische Interesse schließt materielle Güter nicht aus, vielmehr ist es so, dass diejenigen das größte symbolische Kapital davontragen, die die den materiellen Eigennutz am besten verleugnen können. Symbolische Macht ist also immer auch auf die Anerkennung durch andere angewiesen (vgl. Steiner, 2001, S. 34).

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Glossar

Definition emisch/ emischer Ansatz

Der emische Ansatz ist ursprünglich eine Herangehensweise aus der Ethnolinguistik, bei dem der Forscher einen Standpunkt innerhalb eines Systems oder einer Kultur einnimmt. Dieser Ansatz kann jedoch auch auf die kulturvergleichende und interkulturelle Forschung übertragen werden. Da die Forschung über eine Innenperspektive durchgeführt wird, werden vorrangig Konzepte und Messinstrumente genutzt, die aus der Perspektive der Angehörigen der untersuchten Kultur bzw. des untersuchten Systems angemessen und relevant erscheinen (vgl. Pike 1954).

Aufgrund der spezifischen Untersuchungsart ist diese Herangehensweise nicht neutral und lässt daher auch keinen kulturübergreifenden Vergleich zu. Ziel dieser Vorgehensweise ist vielmehr, bestehende Strukturen und Merkmale innerhalb eines fremdkulturellen Umfelds zu untersuchen und zu verstehen.

Definition etischer Ansatz

Im Gegensatz dazu wird beim etischen Ansatz ein Standpunkt außerhalb des zu untersuchenden Systems bzw. der zu untersuchenden Kultur eingenommen. Daher sind die verglichenen Kategorien bei dieser Herangehensweise universell. Ein Nachteil dabei ist allerdings, dass durch diese Vorgehensweise kulturelle Besonderheiten in den meisten Fällen nicht erfasst werden können (vgl. Headland et al. 1990).

Empfehlung für kulturvergleichende und interkulturelle Forschung

Aufgrund dessen empfiehlt sich für eine kulturvergleichende und interkulturelle Forschung eine Kombination beider Ansätze, um sowohl Gemeinsamkeiten (etic) als auch Unterschiede und kulturelle Besonderheiten (emic) zu erfassen und zu untersuchen (vgl. Berry 1999, Triandis 1995).
Ein Beispiel zur Verdeutlichung ist das Tragen eines Minirocks: In der Innenperspektive Deutschlands vollkommen akzeptabel, in manchen Außenperspektiven jedoch nicht. Umgekehrt erscheint in der deutschen Außenperspektive eine entblößte Brust als inakzeptabel, wohingegen dies in Ländern wie z.B. Kenia (Innenperspektive) als völlig normal angesehen wird (vgl. Krefeld 2016).

Literatur

Berry, J. W. (1999): Emics and Etics. A Symbiotic Conception. In: Culture & Psychology, 5 (2). 165-171.
Headland, T. N./Pike, K. L./Harris, M. (1990) (Hg.): Emic and Etic. The Insider/Outsider-Debate. Newbury Park: Sage.
Krefeld, T. (2016). Die ’emische’ und die ‘etische’ Forschungsperspektive. Abgerufen am 27. Februar 2017 von https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=24046
Pike, K. L. (1954) (Hg.): Language in relation to an unified theory of the structure of human behavior. The Hage: Mouton.
Triandis, H. (1995): Individualism and collectivism. San Francisco: Westview.

Artikelhinweise zum Thema emisch / etisch bzw. emischer/etischer Ansatz

 

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